Vogalonga Venedig

Jedes Jahr zu Pfingsten findet in Venedig die Vogalonga statt. Paddler und Ruderer aus aller Welt treffen sich in der Lagune um gemeinsam einen 32km langem Rundkurs zu absolvieren. Der Start ist um 9 Uhr im Markusbecken und führt über das bunte Lagunenstädtchen Burano, zurück über die weltberühmte Glasstadt Murano zum Zieleinlauf in den menschengesäumten Kanal Grande. Die erste Vogalonga fand 1975 statt und sollte ein Zeichen gegen den zunehmenden motorbetriebenen Verkehr in Venedig setzten.

Dieses Jahr nahmen auch wir Teil.

Nach zwei Tagen Anfahrt nahmen wir eine Fähre nach Venedig um die nötigen Dokumente abzuholen. Die bevorstehende Vogalonga zeichnete sich schon jetzt im Stadtbild ab. Desto näher man dem Anmeldebüro im Herzen der Stadt am Kanal Grande kam, desto mehr Menschen liefen mit Paddelausrüstung und wasserdichten Säcken durch die engen Gassen. Auf dem Kanal Grande paddelten Kayaks und Drachenboote um Ihr Material für die Nacht vor dem Rennen in der Stadt zu deponieren. An zahlreichen Plätzen der Stadt waren dutzende Kayaks festgekettet. Zusätzlich liefen einheimische mit Spruchbändern und Fahnen durch die Stadt mit der Aufschrift ‚No grandi navi‘ – Demonstranten einer Demo gegen den Kreuzfahrttourismus in der Stadt. Das Thema war besonders aktuell, weil nur Tage vorher ein Kreuzfahrschiff in eine Anlegestelle Venedigs ungebremst hineinfuhr.

Am nächsten Tag ging es früh los. Unser Standort, der Campingplatz in Punto Sabbioni, war mit Paddlern übersäht. Um etwa 07:30 Uhr ging es zu Wasser. Noch für sich alleine paddelnd ging es in der angenehmen Morgenluft Richtung Venedig. Das Forte Sant’Andrea und der Markusdom dienten als Orientirungspunkte. Die morgendliche Ruhe nahm allerdings ein jähes Ende, denn obwohl der reguläre Schifffahrtverkehr bis zum Nachmittag ausgesetzt wurde, lief ein Kreuzfahrschiff in die Lagune ein und nahm ebenfalls Kurs auf Venedig. Besagtes Schiff machte auch ausgiebig von seinem Schiffshorn gebrauch, dem so mancher Paddler mit dem Mittelfinger begegnete. Obwohl das Schiff irgendwann nach Venedig einbog, verschwand es nicht vollkommen, weil es die Häuser der Stadt überragte.


Kurz vor 9 Uhr füllte sich das Markusbecken, doch statt Wassertaxis und Fähren kamen aus allen Richtungen muskelbetriebene Boote. Pünktlich um 9 Uhr signalisierten die Kanonenschüsse den Start der 45. Vogalonga. Das Feld aus fast 2000 Booten und über 7000 Teilnehmern aus 33 Ländern setzte sich in Bewegung. Am Anfang von der örtlichen Presse und Hubschraubern begleitet, folgte am Yachthafen bei Sant’Elena das erste Nadelöhr. Mit den Riemen und Paddeln ging es im wahrsten Sinne drunter und drüber. Vorbei an der Insel Sant’Erasmo konnte man das erste Mal mit seinen Mitpaddlern fachsimpeln, die geschmückten Boote betrachten oder den traditionellen Ruderstil der venezianischen Boote bewundern. ​ Nachdem von vielen die Salzwiesen vor Burano gedüngt wurden, führte die Route an dieser kleinen Lagunenstadt vorbei. Vorbei an den bunt gestrichenen Häusern und dem bedenklich schiefe Kirchturm der Parrocchia di San Martino Vescovo nutzen viele das Ufer von Burano und Mazzorbo als Pausenstelle. Das Organisationsteam der Vogalonga verteilte Wasser und Bananen und notiert die Startnummern der Teilnehmer, die bis hier hin gekommen sind – etwa die Hälfte der Strecke war geschafft. Weiter geht es über weitgehend offene Lagunenflächen. Hier macht sich die Mittagssonne bemerkbar und bei Wind kann es hier auch zu höheren Wellen kommen. Vorbei an der Ruine Madonna del Monte ist Venedig mit dem davor liegenden Murano wieder in Sichtweite. Das lange gerade Stück wurde genutzt um sich freundschaftlich mit Drachenbooten und Ruderern zu messen.



Mit Blick auf den Cimitero di San Michele bog die Strecke in die Kanäle der für das Glashandwerk bekannte Stadt Murano ab. Durch den Hauptkanal führte die Strecke durch die etwas ruhigere und mit Werkstätten überseht Stadt.1,5km Wasserweg hinter Murano hatte man Venedig wieder erreicht, diesmal am nord-westlichen Rand der Stadt. Vor dem Canale di Cannaregio staute sich das Feld von Booten erneut und wurde in den Kanal geleitet. Gesäumt von Menschen ging es durch den engen Kanal Richtung Canal Grande weiter. Vor allem die Ruderboote hatten hier Probleme weiter zu kommen da kaum noch Wasser zu sehen war. Und so passierte es auch, dass kurz vor mir ein Kayakfahrer kenterte. Er konnte sich jedoch schnell wieder an den umliegenden Booten hochziehen und abgekühlt in sein Boot steigen. ​ Auf dem Canal Grande angekommen konnte man sein Paddel wieder frei bewegen und sich die herrschaftlichen Häuser ansehen die den Kanal säumen, während man für unzählige Touristen an den Kanalrändern als Fotomotiv diente. Ab der Rialtobrücke bis zum Markusplatz war nun alles übersäht mit Booten. An der Basilica di Santa Maria della Salute wurde den Booten von einem Ponton aus Medailien und Urkunden zugeworfen und ich nutze -wie unzählige andere- den Vorplatz der Kirche um die wenig benutzen Beine zu vertreten und endlich wieder einen Bissen zu essen. Der gesamte Platz war mit Seekayaks gepflastert, unter ihnen aber nur ein Skin on Frame Kayak: Das Carlyak, eins der wenigen Hoolzboote und wahrscheinlich auch eins der leichtesten Boote, brachte mich nach einer kurzen Pause, zurück zum Campingplatz bei Punta Sabbioni. Mit der Brandung angelandet, liessen wir erschöpft und glücklich den Tag bei einem Spritz ausklingen.

Die gesamte Strecke belief sich auf rund 43km die mit Pausen in etwas über 8 Stunden gepaddelt wurden. Generell sollte man für die Vogalonga und das Paddeln in Venedig Paddelerfahrung mitbringen, auf eine mögliche Kenterung im offenen Wasser vorbereitet sein und Wellen, Wind, Sonne und Tide nicht unterschätzen.


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